Die Mär von der Abfindung

Wenn man sich mal in Google so umschaut und das Thema Abfindung in Verbindung mit Aufhebungsverträgen betrachtet, so findet man unzählige Hinweise darauf, dass ein Rechtsanspruch auf eine Abfindung bei Beendigung von Arbeitsverträgen entweder existiert oder nicht existiert. Und wenn er existiert, dann muss die Abfindung in der und der Höhe sein und und und.

Fakt: Es gibt tatsächlich nur eine, ich wiederhole: nur EINE, Möglichkeit, in welcher ein Rechtsanspruch auf eine Abfindung bei Beendigung von Arbeitsverträgen existiert und alles andere wird davon abgeleitet.

§1a Kündigungsschutzgesetz
-> https://dejure.org/gesetze/KSchG/1a.html

Wenn es sich um betriebsbedingte Kündigungen handelt, zum Beispiel wenn der Betrieb komplett geschlossen wird, dann hat der Arbeitgeber den Arbeitnehmer den Verlust des Arbeitsplatzes auszugleichen.

Dabei gehen Arbeitgeber gerne hin und nehmen die Formel in diesem Gesetz als Höchstmaß der Gefühle. Wobei ganz exakt das Gegenteil der Fall ist. Normen, die gesetzlich verankert sind, sind immer Mindestnormen und man darf immer bessere Abfindungen für sich raus holen.

Existiert ein Betriebsrat im Betrieb, so übernimmt er diese Abfindungsfindung kollektiv für alle und es wird ein Sozialplan verabschiedet. Existiert keiner, so kann man seine Gewerkschaft an den Tisch setzen.

Per Gesetz wird der Arbeitnehmer immer für die Zeit abgefunden, die er im Betrieb gewesen ist. Korrekter wäre es jedoch, wenn die Abfindung auch die Verluste der Zukunft ausgleicht. Und zwar zusätzlich.

Je nach Dienstalter entstehen Kündigungsfristen nach
-> https://dejure.org/gesetze/BGB/622.html

Diese darf der Arbeitnehmer gerne für sich veranschlagen.

Beispiel: 10 Jahre im Betrieb ergeben 10 Bruttogehälter * 0,5 nach dem Gesetz.

Gewerkschaften legen hierbei noch die Kündigungsfrist mit drauf. Diese wären bei 10 Jahren noch weitere vier Bruttomonatsgehälter. Zusätzlich ist der Faktor 0,5 viel zu gering und es ist durchaus statthaft Faktor 1,0 oder höher anzusetzen.

Abfindungen spielen aber auch dann eine Rolle, wenn der Arbeitgeber sich den Verzicht des Arbeitnehmers auf das Recht auf Kündigungsschutzklage erkaufen möchte, statt ordentlich zu kündigen. In diesem Falle gibt es gar keine Regelungen per Gesetz und es darf frei verhandelt werden.


Sicherheitshinweis: Dies ist natürlich KEINE Rechtsberatung, aber auch KEIN Satireblog.
Rechtsberatung gibt es bei Gewerkschaften (kostenfrei bei Mitgliedschaft) und gegen Honorar (kostenfrei bei Rechtschutzversicherung) bei Fachanwälten für Arbeitsrecht.

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